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Fundamente für eine Werkhalle

Gebäude Nr. 36

Das Gebäude Nr. 36 lag am Ende des Ladegleises in der Behältergruppe V. Dieses Gebäude soll nur als Fundament existiert haben.

Evtl. gaben und geben diese Fundamente auch viel Anlaß zu Spekulationen. Hier sollte - unabhängig vom Ölhof - eine Halle erstellt werden, in der industrielle Produktion stattfinden sollte. Hintergrund dieser Maßnahme war die Tatsache, daß es ab 1943 durch die abnehmende Lufthoheit über dem "eigenen Terretorium" und der damit verbundenen Zunahme von Bombenangriffen zu immensen Produktionausfällen in der Industrie kam. Bereits im Herbst 1943 plante das Reichministerium für Bewaffnung und Munition (RMfBM) unter Alber Speer die "bombensichere" Verlagerung von wichtigen Rüstungsfertigungen in unterirdische Räume und verbunkerte Bauwerke. Als potentielle Verlagerungsorte kamen Höhlen, Eisenbahn- und Strassentunnel, Steinbrüche und versteckte Täler in Frage. Die Einrichtung und der Ausbau sowie die auch spätere Produktionsaufnahme waren mit dem Einsatz von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen verknüpft. Die umfangreichen Baumassnahmen standen unter der Aufsicht der Organisation Todt, die den Arbeitseinsatz eng mit SS und Gestapo koordinierte.
Auf dem Luftbild von 1944 kann man erkennen, daß im Bereich des Gebäudes Nr. 36 Bautätigkeit besteht. Ein fertiges Gebäude oder gar ein Bunker wurde an dieser Stelle aber nicht errichtet.

Wie weit die Planungen für die "Unterverlagerung" einer Produktionsstätte in Bleckede fortgeschritten waren, zeigt allerdings die Tatsache, daß für das Gebäude Nr. 36 ein "Tarnname" existierte.
Nach den "Grundsätzen für die Tarnbezeichnungen der unterirdischen Verlagerungsbauten", herausgegeben vom Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion (RMfRK) am 15.4.1944 (1), sollten folgende Bezeichnungsgruppen verwendet werden:

Tiernamen Bergwerksschächte
Fischnamen Berkwerksstollen
Vogelnamen Eisenbahn- und Strassentunnel
Pflanzennamen Festungswerke
Münzkundliche Bezeichnungen natürliche Höhlen
Männliche Vornamen Stahlbetonbunker

Gesteinskundliche Bezeichnungen

neu zu errichtende Stollen und Tunnel z.B. in Steinbrüchen

Für die geplante Industrie-Ansiedlung in Bleckede wurde der Tarnname "Baldur" vergeben. (2) Vorgesehen war hier eine Bunkeranlage mit 8000m² (!) Arbeitsfläche für Werkzeugbau.
Auf einem Luftbild von 1960 ist die Trümmerfläche am Ende der Behältergruppe V abgebildet. Der Durchmesser der einzelnen Tanks betrug ca. 50m. (oben links im Bild) Daraus abgeleitet hätte ein Gebäude mit einer Fläche von 8000 m² eine Ausdehnung von 50m mal 160m gehabt und ungefähr die Fläche des eingezeichneten Rechteckes eingenommen.
Das geplante Gebäude Nr. 36 ist somit auch ein Beispiel für den Unterschied zwischen Planung und tatsächlicher Bautätigkeit gegen Ende des zweiten Weltkrieges.
Nur die Fundamente eines Gebäudes das nur ca. 25% der geplanten Fläche einnahm wurden wahrscheinlich erstellt.

Kaum eine Spur ist heute noch von diesen Fundamenten geblieben. Der Ort, der ursprünglich als Ausweichquartier für den Werkzeug,- und Vorrichtungsbau der damaligen Hamburger Firma Heidenreich & Harbeck vorgesehen war, die u. a. ihre Produktion von Kegelzahnrädern für Großgetriebe hierher verlagern sollte, ist heute, durch den mittlerweile hohen Baumbestand, nur noch sehr schwer auszumachen.

Quellen:
1. Bundesarchiv Berlin, R7/1192, fol. 9ff.: RM für Rüstung und Kriegsproduktion; Grundsätze für die Tarnbezeichnung der unterirdischen Verlagerungsbauten, 15.4.1944

2.Wichert, Hans Walter: Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten des Zweiten Weltkriegs. Marsberg 1993



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Die Liste der Fundstücke wurde um einen kleinen Fund erweitert.


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Aus dem Videomitschnitt des Vortrages vom 30.09.2009 in Bleckede sind kleine Clips entstanden die bei den jeweiligen Themen einsehbar sind.  

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